Losstopschade

Die heiß­laufende Digital­zentrifuge von Daniel Diekmeier. Archiv. Jetzt abonnieren →

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Salt Bae

Clara (bekannt aus dem Comic über die Peanut Butter Caramel Chocolate Tarte) und ich backen gerne. Sowohl zusammen, als auch … gegeneinander? Nein, das ist nicht das richtige Wort. Füreinander. Okay.

Wir mögen auch den YouTube-Kanal von Bon Appétit, weil wir Menschen mit Puls sind.

Jedenfalls fügen sich diese beiden Tatsachen auf magische Art zusammen und das Ergebnis ist, dass wir immer mal wieder Rezepte aus dem Bon Appétit Angebot backen.

Besonders gut fanden wir bis jetzt:

Aber alle diese Rezepte eint nicht nur, wie unglaublich lecker die Ergebnisse sind, sondern auch das Problem, dass die Salzmenge nicht in Gramm angegeben wird, sondern in Teelöffeln der beiden Salzsorten Diamond Crystal Kosher Salt oder Morton Kosher Salt. (Disclaimer: Bei den verlinkten Rezepten wird bei einem tatsächlich zusätzlich eine Grammzahl genannt und zwei nennen keine Sorten, sondern nur das Volumen in Teelöffeln.)

Als Clara also mal wieder fluchend in der Küche stand, wir erst Siri fragten (die es natürlich nicht wusste), dann googelten, auf komischen Webseiten landeten und schließlich einen Dreisatz rechnen mussten, dachte ich mir: Moment mal, ich bin doch Softwareentwickler! Software könnte dieses Problem lösen!

Und so setzte ich mich hin, programmierte in ungefähr einer Sekunde die Logik (einen Computer dazu zu bringen, einen Dreisatz zu rechnen, ist nicht sonderlich schwer), und dann noch einen Tag lang ein neckisches Design dazu. Zwischendurch holte ich mich immer mal wieder Feedback von echten Nutzer*innen (indem ich Clara ein iPhone hinhielt und „Do you like this?!?!?!?!“ rief). Das Ergebnis heißt Salt Bae und sieht so aus:

(Am Anfang hieß es kurz Salt Pal, aber dann klärte mich Clara auf, was ein Salt Bae ist, und ich änderte den Namen sofort.)

Vielleicht ist dieses kleine Stück Software ja auch für euch interessant. Denkt an mich, wenn ihr mal Salz esst! Passt auf euch auf! Bye!

Direkt zu Salt Bae →


Absatz für Nerds: Salt Bae ist Open Source auf Github! Das Interface habe ich mit Svelte gebaut und das hat viel Spaß gemacht. Das war erst meine zweite Berührung mit Svelte, und die erste, die das Licht der Welt erblickt!

Ich gebe Sternebewertungen solide ★★☆☆☆

Seit etwa einem Jahr gebe ich meinen Einträgen im Lesetagebuch keine Sternebewertungen mehr. Ich habe bemerkt, dass die Sterne zu viel visuelle Macht haben, aber nicht genügend Informationen transportieren, um ein ganzes Buch zusammenzufassen.

Ich könnte ein Buch zum Beispiel interessant und wichtig finden, obwohl es nicht so gut geschrieben ist. Vielleicht finde ich ein anderes sehr gut geschrieben, aber auch sehr speziell und würde deshalb keine allgemeine Empfehlung aussprechen. Vielleicht ist die erste Hälfte sehr gut, aber die Zweite zieht sich furchtbar? All das sind Nuancen, die ich nicht auf eine einzige Zahl zwischen 1 und 5 herunterbrechen will.

Ich denke: Wenn ich mir die Mühe mache, dutzende oder gar hunderte Seiten eines Buches zu lesen, sollte ich (wenn ich denn eine Wertung loswerden will), zumindest ein paar eigene Worte schreiben.

Erstmal war ich, wie man in solchen Moment der Erkenntnis oft ist, zufrieden mit meiner Entscheidung und dachte, dass ich die Welt damit jetzt endlich zu einem besseren Ort mache, wird aber auch Zeit, etc etc.

Aber mit der Zeit fand ich es auch zunehmend anstrengend, die Sternebewertungen von anderen Nutzern im Lesetagebuch zu sehen. Kein Problem, dachte ich mir, ich bin der Imperator auf Lebenszeit, ich blende alle Sterne für mich aus. Geil!

Diese Funktionalität war dann tatsächlich mehrere Monate lang unverändert im Lesetagebuch: Sobald ich eingeloggt war, sah ich zwar alle Einträge und alle schriftlichen Rezensionen, aber die Sterne waren nicht mehr dabei.

Seit ich diese Änderung umgesetzt hatte, trug ich aber die Frage mit mir herum, wie ich mit der ganzen Thematik umgehen soll. Dieser „Hack“ für mich selbst war schön und gut, aber irgendwie wollte ich es ganzheitlicher behandeln. Ich überlegte, ob ich das Feature „Sterne“ komplett aus dem Lesetagebuch rausnehmen soll: Zack, fertig, keiner kann mehr Sterne sehen oder vergeben. Das kam mir in den besten Momenten cool und mutig vor, aber in den schlechtesten hauptsächlich wie ein ganz schöner Dick Move. Ich wollte dann doch nicht allen Leuten ein Feature wegzunehmen, gegen das sie vielleicht gar nichts haben.

Schlussendlich habe ich mich entschiedenen, den größten Fauxpas in der Produktentwicklung zu begehen und einen Schalter zu den Einstellungen hinzugefügt:

Die Frage bleibt offen, ob ich damit jetzt allen Leuten geholfen habe, oder niemandem. Aber wenn es euch so geht wie mir, und ihr das Gefühl habt, zu oft von fünf kleinen Sternen beeinflusst zu werden, und Filme, Serien, Bücher und Dinge blöd findet, obwohl ihr sie eigentlich gut finden wolltet – dann schaltet doch die Sterne ab und erobert euch ein kleines Stück Ruhe zurück.

Oliven let die

In den letzten Monaten bin ich relativ viel Bahn gefahren. Es ist verrückt: Man setzt sich in die riesige Metallschlange, ein paar Stunden lang wackelt die Landschaft vorbei, man wird von Koffern angerempelt, die so groß sind wie Luxemburg und dann ist man plötzlich, wieder mal, in Köln.

Ich war dieses Jahr schon oft in Köln. Öfter, als ich mir in meinen kühnsten Träumen ausgemalt hätte. Aber davon erzähle ich ein anderes Mal. Stattdessen:

Heute fuhr ich also mal wieder nach Köln und konnte mich ungefähr eine Zehntausendstelsekunde darüber freuen, vielleicht einen Platz für mich zu haben, als ein Typ, der schon von zwei anderen Leuten von reservierten Plätzen gescheucht wurde, fragte, ob er sich auf den Fensterplatz neben mir setzen könnte. Ich schaute auf das „ggf. reserviert“-Schild, sagte „Vielleicht“ und machte ihm Platz.

Er wuchtete einen Rucksack, der so groß war, dass er vermutlich eine lebensgroße Nachbildung des Kölner Doms transportierte, in den Fußraum, stellte seinen linken Fuß dann bequem in meinem Fußraum ab, richtete sich häuslich ein, und begann sein Frühstück.

Natürlich ist es angebracht, im Zug zu versuchen, geruchsarme und nicht fettende Speisen zu verzehren. Aber natürlich sind Menschen wahnsinnig. Der Boy packte also eine Packung türkische Fladen mit Spinatfüllung, eine Packung eingelegte Oliven und mehrere deftige Pasten (Knoblauch, Basilikum?) aus, snackte vor sich hin und wischte sich die schmierigen Finger an der obligatorisch im Gepäcknetz zerknitterten DB MOBIL ab.

Nach diesem genussvollen Mahl macgyverte er aus seiner Jacke ein Kissen und lehnte sich ans Fenster um zu dösen. Aber nicht lange. Als der Schaffner zur Ticketkontrolle kam, musste er plötzlich extrem dringend zur Toilette. Nach zwanzig Minuten kam er zurück, aber nur, um seinen Rucksack zu holen. Jetzt waren die beiden zwar weg, aber seine Jacke hing noch am Haken am Fenster, wodurch sich bei mir noch keine Entspannung einstellen konnte.

Einige Minuten später kam er ein letztes Mal zurück, nahm mit einer Hand seine Jacke, und klopfte mir mit der anderen Hand dreimal aufmunternd auf den Oberschenkel. Ihr lest richtig: Ein völlig Fremder hat mir, ohne, dass es überhaupt notwendig gewesen wäre, auf den Oberschenkel geklopft. Entgeistert sah ich ihm nach, wie er in Hannover ausstieg. Hoffentlich bleibt er für immer dort und fährt nie wieder Zug. Für immer im Exil in Hannover.

Klonk

Seit ein paar Wochen hörte ich immer öfter ein Geräusch aus dem Badzimmer, ungefähr Klonk. Dieses Geräusch kam mir sehr bekannt vor – es war das Geräusch, das der Aquastop an meiner Waschmaschine macht, wenn er den Hahn wieder schließt. Aber statt, wie sonst, nur zu ertönen, wenn meine Waschmaschine tatsächlich läuft, hörte ich das Klonk immer häufiger. Ich arbeite seit ein paar Monaten von Zuhause aus, darum können solche Kleinigkeiten (schreiende Nachbarn, bohrende Nachbarn, Bauarbeiten vor dem Haus, Bauarbeiten im Haus, das Geräusch Klonk) schnell zu einem großen Ärgernis werden.

Zuerst hörte ich das Geräusch nur Morgens und Abends. Ich dachte, dass sich die Nachbarn unter mir, mit denen ich mir vermutlich Rohre teile, eine neue Waschmaschine gekauft haben könnten, deren Aquastop so stark ist, dass ich ihn bis in meine Wohnung hören kann. Das machte mich etwas traurig, denn bei sowas kann man ja einfach nichts machen – ich kann ja schlecht runtergehen und fragen, ob sie sich eine neue neue Waschmaschine kaufen können.

Außerdem ist mein Verhältnis zu meinen Nachbarn ohnehin schon belastet, seit ich einmal vom Vater der kleinen Familie angesprochen wurde. Er kam auf mich zu und eröffnete das Gespräch mit den freundlichen Worten „Sie wohnen oben, wa? Ick weiß janz jenau, was Sie immer machen! Dit hört man immer wieder, wie Sie dit machen!“ Auf meine Frage, was ich immer machen würde, sagte er „Na dit Murmeln spielen! Dit klingt, als ob jemand mit Murmeln spielt!“ Bevor ich auch nur meine runtergefallene Kinnlade aufsammeln konnte, ging er weg, aber nicht, ohne vorher anzukündigen, dass er mich demnächst beim Vermieter abmahnen würde, wenn dit nicht aufhört, wa!

Jedenfalls waren absurde Handlungen wie „Darüber reden“ dadurch schon mal ausgeschlossen – zum Glück, wie sich herausstellte. Aber nicht zu schnell. In den letzten Wochen hat das Klonk in Lautstärke und Frequenz zugenommen, und zuletzt hörte ich es jeden Tag dutzende Male. Teilweise auch schon, wenn ich selbst meinen eigenen Wasserhahn zudrehte. Es schien sich also nicht um ein Problem mit der Waschmaschine meiner Nachbarn zu handeln, sondern, um es mit dem Fachterminus auszudrücken, irgendwas mit den Rohren oder so.

Ich hatte schon angefangen, genügend Motivation zusammenzukratzen, nicht nur unschuldigen Mitmenschen wie Clara und Timo von den Geräuschen zu erzählen, sondern das Problem tatsächlich bei der Hausverwaltung vorzutragen. Aber dann kam alles ganz anders.

Heute drehte gerade eine Ladung Wäsche ihre Runden, als ich neben der Waschmaschine eine kleine Pfütze bemerkte. (Nicht mehr als ein paar Tropfen.) Ich berührte die verschiedenen Schläuche, und konnte den Übeltäter entdecken: Der Aquastop war nicht (mehr?) absolut perfekt auf den Wasserhahn geschraubt, so dass eine winzige Menge Wasser austreten konnte. Sowas sieht man gar nicht gern, aber die Waschmaschine hatte nur noch 20 Minuten Laufzeit, also wartete ich den Ende des Waschgangs ab.

Anschließend (Haha, wegen Wasseranschluss!) schraubte ich den Wasserhahn zu und den Aquastop ab. Seitdem herrscht absolute Stille. Ich habe kein einziges Klonk mehr gehört. Das Problem, das mich die letzten Wochen geplagt hatte, lag an niemand anderem, als mir selbst. (Also wie immer, Story of my life.)

An dieser Stelle möchte ich noch einen Schritt zurückgehen und ansprechen, wie knapp ich hier einer absoluten Katastrophe entgangen bin: Wenn mir nicht schon heute der minimal undichte Wasserhahn aufgefallen wäre, sondern erst, wenn der Aquastop abgefallen wäre und kein Aqua mehr gestoppt hätte, hätte alles noch viel schlimmer kommen können. Dann wäre meine zwanghafte Murmelspielsucht nicht mehr mein größtes Problem gewesen.

Noch ein Artikel über süddeutschen Nachthimmel

Letzte Woche war ich mal wieder in Süddeutschland und habe meine Eltern besucht. Erneut war es nachts extrem dunkel, erneut machte ich einen Spaziergang mit meiner Schwester, aber diesmal hatte ich meine Kamera dabei.

Dafür, richtig gute Fotos vom Nachthimmel zu machen, war ich jedoch bei weitem nicht ausgerüstet. Ich hatte ein 35mm Objektiv und … sonst nichts. Um die Kamera in einem günstigen Winkel zu stabilisieren, benutzte ich meinen rechten Schuh. Ihr lest richtig: Ich zog um Mitternacht auf einem Feldweg in der Provinz einen meiner Schuhe aus, um eine Kamera darauf zu balancieren.

Den Umständen entsprechend bin ich mit dem Ergebnis aber sehr zufrieden. Klar, die Fotos rauschen lächerlich stark (weil ich unnötigerweise mit ISO 4000 fotografiert habe, obwohl ich doch Dank meinem alten Kumpel Chuck Taylor alle Belichtungszeit der Welt hatte), das starke Rauschen macht wiederum eine ordentliche Farbkorrektur schwierig, teilweise sind die Fotos nicht ganz scharf (oder zu scharf, so dass die Sterne extrem klein sind), 35mm ist viel zu weitwinklig, um Sterne in einer adäquaten Größe aufnehmen zu können, und so weiter, und so weiter.

Doch was soll’s: Trotzdem habe ich den großen Wagen (erstes Foto) und die Milchstraße (drittes Foto) einfangen können! Und der helle Punkt auf dem zweiten Foto? Fucking Mars! Unglaublich. Also: Schmeißt euer teures Stativ in die Donau, kauft euch einen rechten Converse All Star, legt euch auf einer unbefahrenen Dorfstraße auf euren Bauch, und macht einfach mal ein Foto von der Galaxie, in der ihr wohnt.

ErrPods

Ich habe mir ein Paar AirPods gekauft, sie eine Woche lang getragen und dann zurückgebracht. Dann geschah etwas, das mich zum Weinen gebracht hat. Das hier ist meine Geschichte.

Akt 1

Apple brachte ein Mobiltelefon ohne Klinkenanschluss heraus. Mein Leben geriet völlig aus den Fugen. Ich probierte es mit dem beiliegenden Dongle (furchtbar unpraktisch, hässlich und scheiße), gab aber irgendwann nach und kaufte Bluetooth-Kopfhörer.

Die neuen Kopfhörer waren, im Vergleich zu ihren Vorgängern, die sie ersetzten, ein Downgrade in allen Bereichen: Sie waren teurer, größer, auffälliger, hässlicher und waren generell unterträglich. Ich frage mich, wer bei so einem Produkt dafür verantwortlich ist, diese kleinen Detailentscheidungen zu treffen, die alle zusammenkommen müssen, um so ein durch und durch furchtbares Produkt herauszubringen.

Die Kopfhörer haben ein blaues Licht, das blinkt, wenn die Kopfhörer an sind. Nicht, dass ich diesen Fakt vergesse, wenn ich es nur auf meinem Handy sehen und in meinen Ohren hören kann. Nein! Das blaue Licht ist wichtig! Also habe ich es mit einem sehr kleinen Stück Gaffa abgeklebt.

Die Kopfhörer haben eine Akkulaufzeit von großzügig geschätzten fünf Stunden, also musste ich sie, wenn ich sie nur auf meinem täglichen Arbeitsweg nutzte, etwa alle 2-3 Tage aufladen. Damit hätte ich leben können, glaube ich. Aber das absolute Killerfeature (in dem Sinne, dass das Produkt dadurch für mich gestorben ist) war der Warnton, der mich über die schwindende Batterieleistung informieren sollte. Er meldet sich erstmals etwa eine Stunde, bevor der Akku wirklich leer ist. Während des Warntons wird außerdem die Lautstärke des Mediums, das man eigentlich gerade konsumiert, stark reduziert, damit man den Ton auch wirklich gut hören kann. Okay, gut, wenigstens weiß ich jetzt, dass ich die Kopfhörer laden sollte, wenn ich im Büro oder Zuhause ankomme. Kein Problem.

Aber: Nach dem ersten Warnton meldet sich der Kopfhörer alle dreißig Sekunden. Ja, ihr habt richtig gehört. Etwa zwanzig Prozent der gesamten (nicht sonderlich langen) Batterielaufzeit wird der Kopfhörer dadurch quasi vollkommen unbrauchbar. Irgendwann spielt er einen (anderen!) Warnton ab und geht aus. An diesem Punkt fast schon eine Erlösung.

Coolerweise kann iOS den Batteriestatus von Bluetooth-Geräten anzeigen, und mich so auf dem Laufenden halten. So hätte ich die Kopfhörer vielleicht immer schnell wieder aufladen können, wenn ich in die Nähe der letzten 20% gekommen wäre. Allerdings, Wunder über Wunder, funktionierte dieses Features an den beiden Klumpen Elektroschrott, die ich mir eine Weile lang regelmäßig in die Ohren schob, nicht richtig. Die Anzeige funktionierte zwischen 100 und 50% einwandfrei. Dann blieb sie auf 50% stehen. Irgendwann erreichte sie, ohne einen der anderen Zwischenschritte abzuklappern, 10% und der Warnton setzte ein.

Das war kein tragbarer Zustand und ich wechselte nach einigen Monaten wieder auf das Dongle zurück. Das war zwar furchtbar, aber wenigstens verlässlich und berechenbar.

Akt 2

Apple brachte kleine weiße Kopfhörer raus. Irgendwann hatten viele Leute welche gekauft, und alle waren sich einig: Geschnitten Brot ist ja vielleicht schön und gut, aber mit diesen Dingern hier kann man Musik hören! Sie haben Bluetooth und eine kleine Dose mit einer kleinen Klappe! Sie haben einen Lightninganschluss, und welches geschnittene Brot kann das schon von sich behaupten? Die Sachlage war klar: Apple war mal wieder ein großer Wurf gelungen.

Wie das mit toten Fischen und innerlich toten Mittzwanzigern so ist, schwamm ich mit dem Strom und rannte in einer Mittagspause in den Apple Store am Kurfürstendamm und überredete einen der nutzlos herumstehenden Angestellten, mich bitte bitte bezahlen zu lassen. Schon auf dem Gehweg vor dem Apple Store konnte ich bestätigen: Ja, es handelte sich wirklich um Kopfhörer, die Musik abspielen konnten.

Auf dem kurzen Fußweg zurück zum Bahnhof Zoo schob ich den rechten AirPod etwa achttausend Mal so tief wie ohne operativen Eingriff möglich in meinen Gehörkanal, und doch ließ sich (im Gegensatz zum rechten AirPod) das Gefühl nicht abschütteln, dass da etwas im Argen liegt.

Auf dem Weg ins Büro hörte ich eigentlich irgendwas auf Spotify, aber am Bahnsteig hörte ich vor allem die einfahrende S-Bahn. Ob das nun an der zweifelhaften Ohrfixierung, der allgemeinen Hellhörigkeit der AirPods oder der unglaublichen Lautstärke der Berliner S-Bahn lag, ist nachträglich schwer zu sagen.

Es wurde jedenfalls nicht besser. Bei jedem zweiten Schritt (und man macht ja dutzende Schritte jeden Tag!) hatte ich das Gefühl, den rechten AirPod nachjustieren zu müssen. (Der Linke hielt übrigens tadellos! Danke, Jony!) Er fiel, so viel möchte gesagt sein, kein einziges Mal heraus, aber das war auch schon alles. Nach einer Woche stand fest: Ich und diese 179€ teure Gefahr für meine geistige Gesundheit würden zusammen nicht glücklich werden.

Also lief ich in einer neuen Mittagspause (Mittagspausen sind zum Glück wie Nippel schlechte Laune: man hat jeden Tag eine) zurück zum Apple Store. Nachdem ich es schon mühselig fand, einen Mitarbeiter dazu zu bewegen, Geld von mir entgegenzunehmen, war es tatsächlich noch anstrengender, jemanden zu finden, der mir mein Geld zurückgeben würde. „Sind Sie sich sicher?“, fragte mich die nette Angestellte schließlich nach meiner Schilderung der Ereignisse, „Sie müssen Dinge erst nach zwei Wochen zurückgeben“, aber 1) war ich sicher und 2) würde ich sicher nicht dreimal innerhalb von zwei Wochen zum Bahnhof Zoo fahren.

Also wechselte ich zurück zum Dongle. Das war zwar furchtbar, aber wenigstens konnte ich Kopfhörer benutzen, die nicht aus meinen Ohren fallen.

Akt 3

Eines Winterabends überlegte ich, tief in meine Dongledepression versunken, dass es cool wäre, wenn es einen ganz simplen Blutooth-Klinkenanschluss gäbe. Einfach ein 3,5mm großes Loch, das irgendwie mit einem Akku und einem Bluetooth-Empfänger verlötet wurde, und in das ich beliebige Kopfhörer einstecken könnte.

Tja.

Wäre ich da mal 1,5 Jahre früher drauf gekommen! So etwas existiert.

Erst war ich skeptisch, immerhin ist das Gerät von der gleichen Firma, die ihre Inkopetenz schon durch die Bluetooth-Kopfhörer beweisen konnte, aber ich war bereit, ihnen noch eine Chance zu geben.

Aber seit ich das Ding habe, ist alles in Ordnung. Mein Leben hat wieder einen Sinn. Ich kann Kopfhörer meiner Wahl benutzen, der Akku reicht etwa 15 Stunden (ewig!) und der Warnton existiert zwar auch bei diesem Modell, aber durch die lange Akkulaufzeit höre ich ihn extrem selten. Und der Preis ist natürlich unschlagbar.

Etwas Besseres fällt mir aktuell nicht ein.

Okay, also:

Ich bleibe überzeugt, dass das Entfernen des Kopfhöreranschluss ein unnötiger Move war, der keine Gewinner hervorgebracht hat. Zwichenzeitlich, aber das war keinen eigenen Akt wert (Akte sind ja wie Nippel: Es sollten immer genau drei sein), besaß ich für einen Abend Kopfhörer mit Lightning- statt Klinkenanschluss, aber die hatten eine absolut inakzeptable Menge Bass und kosteten fünfundvierzig Euro (das sind etwa achttausend Mark), also brachte ich sie am nächsten Tag direkt zurück zu Amazon. (Sie sind dort scheinbar auch nicht mehr gelistet.)

Mit meinem neuen Adapter kann ich wenigstens früher noch ganz selbstverständliche Vorteile genießen:

  • An fast jedem Gerät die gleichen Kopfhörer benutzen
  • An meinem iPhone jeden beliebigen Kopfhörer benutzen
  • Ich kann das iPhone aufladen, während ich Musik höre

Unglaublich, was für bescheuerte Sachen manchmal zu Features werden.

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