Losstopschade

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Klonk

Seit ein paar Wochen hörte ich immer öfter ein Geräusch aus dem Badzimmer, ungefähr Klonk. Dieses Geräusch kam mir sehr bekannt vor – es war das Geräusch, das der Aquastop an meiner Waschmaschine macht, wenn er den Hahn wieder schließt. Aber statt, wie sonst, nur zu ertönen, wenn meine Waschmaschine tatsächlich läuft, hörte ich das Klonk immer häufiger. Ich arbeite seit ein paar Monaten von Zuhause aus, darum können solche Kleinigkeiten (schreiende Nachbarn, bohrende Nachbarn, Bauarbeiten vor dem Haus, Bauarbeiten im Haus, das Geräusch Klonk) schnell zu einem großen Ärgernis werden.

Zuerst hörte ich das Geräusch nur Morgens und Abends. Ich dachte, dass sich die Nachbarn unter mir, mit denen ich mir vermutlich Rohre teile, eine neue Waschmaschine gekauft haben könnten, deren Aquastop so stark ist, dass ich ihn bis in meine Wohnung hören kann. Das machte mich etwas traurig, denn bei sowas kann man ja einfach nichts machen – ich kann ja schlecht runtergehen und fragen, ob sie sich eine neue neue Waschmaschine kaufen können.

Außerdem ist mein Verhältnis zu meinen Nachbarn ohnehin schon belastet, seit ich einmal vom Vater der kleinen Familie angesprochen wurde. Er kam auf mich zu und eröffnete das Gespräch mit den freundlichen Worten „Sie wohnen oben, wa? Ick weiß janz jenau, was Sie immer machen! Dit hört man immer wieder, wie Sie dit machen!“ Auf meine Frage, was ich immer machen würde, sagte er „Na dit Murmeln spielen! Dit klingt, als ob jemand mit Murmeln spielt!“ Bevor ich auch nur meine runtergefallene Kinnlade aufsammeln konnte, ging er weg, aber nicht, ohne vorher anzukündigen, dass er mich demnächst beim Vermieter abmahnen würde, wenn dit nicht aufhört, wa!

Jedenfalls waren absurde Handlungen wie „Darüber reden“ dadurch schon mal ausgeschlossen – zum Glück, wie sich herausstellte. Aber nicht zu schnell. In den letzten Wochen hat das Klonk in Lautstärke und Frequenz zugenommen, und zuletzt hörte ich es jeden Tag dutzende Male. Teilweise auch schon, wenn ich selbst meinen eigenen Wasserhahn zudrehte. Es schien sich also nicht um ein Problem mit der Waschmaschine meiner Nachbarn zu handeln, sondern, um es mit dem Fachterminus auszudrücken, irgendwas mit den Rohren oder so.

Ich hatte schon angefangen, genügend Motivation zusammenzukratzen, nicht nur unschuldigen Mitmenschen wie Clara und Timo von den Geräuschen zu erzählen, sondern das Problem tatsächlich bei der Hausverwaltung vorzutragen. Aber dann kam alles ganz anders.

Heute drehte gerade eine Ladung Wäsche ihre Runden, als ich neben der Waschmaschine eine kleine Pfütze bemerkte. (Nicht mehr als ein paar Tropfen.) Ich berührte die verschiedenen Schläuche, und konnte den Übeltäter entdecken: Der Aquastop war nicht (mehr?) absolut perfekt auf den Wasserhahn geschraubt, so dass eine winzige Menge Wasser austreten konnte. Sowas sieht man gar nicht gern, aber die Waschmaschine hatte nur noch 20 Minuten Laufzeit, also wartete ich den Ende des Waschgangs ab.

Anschließend (Haha, wegen Wasseranschluss!) schraubte ich den Wasserhahn zu und den Aquastop ab. Seitdem herrscht absolute Stille. Ich habe kein einziges Klonk mehr gehört. Das Problem, das mich die letzten Wochen geplagt hatte, lag an niemand anderem, als mir selbst. (Also wie immer, Story of my life.)

An dieser Stelle möchte ich noch einen Schritt zurückgehen und ansprechen, wie knapp ich hier einer absoluten Katastrophe entgangen bin: Wenn mir nicht schon heute der minimal undichte Wasserhahn aufgefallen wäre, sondern erst, wenn der Aquastop abgefallen wäre und kein Aqua mehr gestoppt hätte, hätte alles noch viel schlimmer kommen können. Dann wäre meine zwanghafte Murmelspielsucht nicht mehr mein größtes Problem gewesen.

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