Losstopschade

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Noch ein Artikel über süddeutschen Nachthimmel

Letzte Woche war ich mal wieder in Süddeutschland und habe meine Eltern besucht. Erneut war es nachts extrem dunkel, erneut machte ich einen Spaziergang mit meiner Schwester, aber diesmal hatte ich meine Kamera dabei.

Dafür, richtig gute Fotos vom Nachthimmel zu machen, war ich jedoch bei weitem nicht ausgerüstet. Ich hatte ein 35mm Objektiv und … sonst nichts. Um die Kamera in einem günstigen Winkel zu stabilisieren, benutzte ich meinen rechten Schuh. Ihr lest richtig: Ich zog um Mitternacht auf einem Feldweg in der Provinz einen meiner Schuhe aus, um eine Kamera darauf zu balancieren.

Den Umständen entsprechend bin ich mit dem Ergebnis aber sehr zufrieden. Klar, die Fotos rauschen lächerlich stark (weil ich unnötigerweise mit ISO 4000 fotografiert habe, obwohl ich doch Dank meinem alten Kumpel Chuck Taylor alle Belichtungszeit der Welt hatte), das starke Rauschen macht wiederum eine ordentliche Farbkorrektur schwierig, teilweise sind die Fotos nicht ganz scharf (oder zu scharf, so dass die Sterne extrem klein sind), 35mm ist viel zu weitwinklig, um Sterne in einer adäquaten Größe aufnehmen zu können, und so weiter, und so weiter.

Doch was soll’s: Trotzdem habe ich den großen Wagen (erstes Foto) und die Milchstraße (drittes Foto) einfangen können! Und der helle Punkt auf dem zweiten Foto? Fucking Mars! Unglaublich. Also: Schmeißt euer teures Stativ in die Donau, kauft euch einen rechten Converse All Star, legt euch auf einer unbefahrenen Dorfstraße auf euren Bauch, und macht einfach mal ein Foto von der Galaxie, in der ihr wohnt.

Unglaublich: Millenial zahlt Geld für einen Onlineservice

In den letzten Monaten habe ich öfter mal darüber nachgedacht, wofür ich eigentlich Geld ausgebe, beziehungsweise, wofür ich eigentlich kein Geld ausgebe, obwohl ich es gut finde. RSS gehörte dazu.

Aber ich liebe RSS, und ich will, dass es auch weiterhin RSS gibt, am besten für immer und ewig. Ganz ganz früher™ habe ich den Google Reader benutzt, bis der 2013 in die ewigen Jagdgründe einging. Dann wechselte ich zu Feedly, und vor ungefähr zwei Monaten wechselte ich zu Feedbin.

Mit Feedly als Plattform wurde ich nie so richtig warm. Ich nutzte (und nutze auch heute noch) Reeder, eine fabelhafte Software, die mich noch nie im Stich gelassen hat. Damals™ unterstützte sie nur den Google Reader, inzwischen aber einige andere Dienste, und die Umstellung von Google zu Feedly verlief für mich weitestgehend transparent und dass da im Hintergrund jetzt ein anderes Backend lief, merkte ich sehr selten.

Nur immer dann, wenn ich Feedly mal im Browser nutzen musste, musste ich mich immer ein wenig am Kopf kratzen, wie jemand ein so unintuitives Stück Software für etwas bauen kann, das eigentlich eine chronologische Timeline von Internetkrempel anzeigen soll. Aber: Feedly ist kostenlos, also was soll’s. Aber warte, wenn Feedly kostenlos ist, wer ist dann eigentlich das Produkt? Fuck!

Dass es kostenlose Optionen gibt, ist auf der einen Seite ganz geil, weil RSS ein offener Standard ist, und ihn dann mehr Leute benutzen können. Beispielsweise stellt Marco Arment seinen Podcast-Player Overcast aus (unter anderem) politischen Gründen kostenlos zur Verfügung: Er findet, es sei für die offene Technologie „Podcasts“ am besten, wenn es nicht nur viele Podcasts und viele Hörer gibt, sondern auch viele Wege, über die diese Hörer diese Podcasts empfangen können. Unter anderem deshalb bezahle ich schon seit Jahren für Overcast: Die App ist extrem gut, und lieber überweise ich noch ein paar Euro im Jahr an Marco, als mich in einen schwarz-grünen Spotify-Käfig sperren zu lassen. Fest & Flauschig habe ich beispielsweise nie angehört, weil es ein Spotify Exclusive ist. (Zugegebenermaßen ist es aber auch einfach, solche Prinzipien zu haben, wenn man ohnehin kein Interesse hat, den Podcast zu hören, selbst, wenn man mit jedem Download ein Robbenbaby retten würde.)

Auf der anderen Seite ist es auch gut, wenn es Möglichkeiten gibt, in die Sachen zu investieren, die ich gut finde. Ich habe mich darum entschieden, mein Money dahin zu putten, wo der Mouth von jemandem ist, der einen RSS-Reader programmiert, und folgerichtig für ein Jahr Feedbin bezahlt.

Natürlich habe ich damit trotzdem keine Garantie für irgendwas. An Feedbin arbeiten zwei Leute, und solange ein bisschen Kohle reinkommt, werden sie den Service wahrscheinlich nicht einfach ausschalten, aber vielleicht doch. Es erscheint mir aber zumindest unwahrscheinlicher, als bei einem Service, für den ich überhaupt nichts bezahle.

(Als ich Martin neulich von meinem Feedbin-Abo und meinem Gedankengang erzählt habe, war ich ganz geehrt, wie enthusiastisch er während meiner Erzählung genickt hat. (Anschließend hat er mir noch den Geheimtipp verraten, dass man auch Newsletter mit Feedbin abonnieren kann: Geil!))

Also: Gibt es etwas, das euch gefällt, in dessen Fortbestand ihr allerdings nicht investiert? Dann, äh, denkt mal drüber nach. Und falls ihr Losstopschade abonnieren wollt: Natürlich habe ich auch einen RSS-Feed.

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