Losstopschade

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Noch ein Artikel über süddeutschen Nachthimmel

Letzte Woche war ich mal wieder in Süddeutschland und habe meine Eltern besucht. Erneut war es nachts extrem dunkel, erneut machte ich einen Spaziergang mit meiner Schwester, aber diesmal hatte ich meine Kamera dabei.

Dafür, richtig gute Fotos vom Nachthimmel zu machen, war ich jedoch bei weitem nicht ausgerüstet. Ich hatte ein 35mm Objektiv und … sonst nichts. Um die Kamera in einem günstigen Winkel zu stabilisieren, benutzte ich meinen rechten Schuh. Ihr lest richtig: Ich zog um Mitternacht auf einem Feldweg in der Provinz einen meiner Schuhe aus, um eine Kamera darauf zu balancieren.

Den Umständen entsprechend bin ich mit dem Ergebnis aber sehr zufrieden. Klar, die Fotos rauschen lächerlich stark (weil ich unnötigerweise mit ISO 4000 fotografiert habe, obwohl ich doch Dank meinem alten Kumpel Chuck Taylor alle Belichtungszeit der Welt hatte), das starke Rauschen macht wiederum eine ordentliche Farbkorrektur schwierig, teilweise sind die Fotos nicht ganz scharf (oder zu scharf, so dass die Sterne extrem klein sind), 35mm ist viel zu weitwinklig, um Sterne in einer adäquaten Größe aufnehmen zu können, und so weiter, und so weiter.

Doch was soll’s: Trotzdem habe ich den großen Wagen (erstes Foto) und die Milchstraße (drittes Foto) einfangen können! Und der helle Punkt auf dem zweiten Foto? Fucking Mars! Unglaublich. Also: Schmeißt euer teures Stativ in die Donau, kauft euch einen rechten Converse All Star, legt euch auf einer unbefahrenen Dorfstraße auf euren Bauch, und macht einfach mal ein Foto von der Galaxie, in der ihr wohnt.

Unglaublich: Millenial zahlt Geld für einen Onlineservice

In den letzten Monaten habe ich öfter mal darüber nachgedacht, wofür ich eigentlich Geld ausgebe, beziehungsweise, wofür ich eigentlich kein Geld ausgebe, obwohl ich es gut finde. RSS gehörte dazu.

Aber ich liebe RSS, und ich will, dass es auch weiterhin RSS gibt, am besten für immer und ewig. Ganz ganz früher™ habe ich den Google Reader benutzt, bis der 2013 in die ewigen Jagdgründe einging. Dann wechselte ich zu Feedly, und vor ungefähr zwei Monaten wechselte ich zu Feedbin.

Mit Feedly als Plattform wurde ich nie so richtig warm. Ich nutzte (und nutze auch heute noch) Reeder, eine fabelhafte Software, die mich noch nie im Stich gelassen hat. Damals™ unterstützte sie nur den Google Reader, inzwischen aber einige andere Dienste, und die Umstellung von Google zu Feedly verlief für mich weitestgehend transparent und dass da im Hintergrund jetzt ein anderes Backend lief, merkte ich sehr selten.

Nur immer dann, wenn ich Feedly mal im Browser nutzen musste, musste ich mich immer ein wenig am Kopf kratzen, wie jemand ein so unintuitives Stück Software für etwas bauen kann, das eigentlich eine chronologische Timeline von Internetkrempel anzeigen soll. Aber: Feedly ist kostenlos, also was soll’s. Aber warte, wenn Feedly kostenlos ist, wer ist dann eigentlich das Produkt? Fuck!

Dass es kostenlose Optionen gibt, ist auf der einen Seite ganz geil, weil RSS ein offener Standard ist, und ihn dann mehr Leute benutzen können. Beispielsweise stellt Marco Arment seinen Podcast-Player Overcast aus (unter anderem) politischen Gründen kostenlos zur Verfügung: Er findet, es sei für die offene Technologie „Podcasts“ am besten, wenn es nicht nur viele Podcasts und viele Hörer gibt, sondern auch viele Wege, über die diese Hörer diese Podcasts empfangen können. Unter anderem deshalb bezahle ich schon seit Jahren für Overcast: Die App ist extrem gut, und lieber überweise ich noch ein paar Euro im Jahr an Marco, als mich in einen schwarz-grünen Spotify-Käfig sperren zu lassen. Fest & Flauschig habe ich beispielsweise nie angehört, weil es ein Spotify Exclusive ist. (Zugegebenermaßen ist es aber auch einfach, solche Prinzipien zu haben, wenn man ohnehin kein Interesse hat, den Podcast zu hören, selbst, wenn man mit jedem Download ein Robbenbaby retten würde.)

Auf der anderen Seite ist es auch gut, wenn es Möglichkeiten gibt, in die Sachen zu investieren, die ich gut finde. Ich habe mich darum entschieden, mein Money dahin zu putten, wo der Mouth von jemandem ist, der einen RSS-Reader programmiert, und folgerichtig für ein Jahr Feedbin bezahlt.

Natürlich habe ich damit trotzdem keine Garantie für irgendwas. An Feedbin arbeiten zwei Leute, und solange ein bisschen Kohle reinkommt, werden sie den Service wahrscheinlich nicht einfach ausschalten, aber vielleicht doch. Es erscheint mir aber zumindest unwahrscheinlicher, als bei einem Service, für den ich überhaupt nichts bezahle.

(Als ich Martin neulich von meinem Feedbin-Abo und meinem Gedankengang erzählt habe, war ich ganz geehrt, wie enthusiastisch er während meiner Erzählung genickt hat. (Anschließend hat er mir noch den Geheimtipp verraten, dass man auch Newsletter mit Feedbin abonnieren kann: Geil!))

Also: Gibt es etwas, das euch gefällt, in dessen Fortbestand ihr allerdings nicht investiert? Dann, äh, denkt mal drüber nach. Und falls ihr Losstopschade abonnieren wollt: Natürlich habe ich auch einen RSS-Feed.

ErrPods

Ich habe mir ein Paar AirPods gekauft, sie eine Woche lang getragen und dann zurückgebracht. Dann geschah etwas, das mich zum Weinen gebracht hat. Das hier ist meine Geschichte.

Akt 1

Apple brachte ein Mobiltelefon ohne Klinkenanschluss heraus. Mein Leben geriet völlig aus den Fugen. Ich probierte es mit dem beiliegenden Dongle (furchtbar unpraktisch, hässlich und scheiße), gab aber irgendwann nach und kaufte Bluetooth-Kopfhörer.

Die neuen Kopfhörer waren, im Vergleich zu ihren Vorgängern, die sie ersetzten, ein Downgrade in allen Bereichen: Sie waren teurer, größer, auffälliger, hässlicher und waren generell unterträglich. Ich frage mich, wer bei so einem Produkt dafür verantwortlich ist, diese kleinen Detailentscheidungen zu treffen, die alle zusammenkommen müssen, um so ein durch und durch furchtbares Produkt herauszubringen.

Die Kopfhörer haben ein blaues Licht, das blinkt, wenn die Kopfhörer an sind. Nicht, dass ich diesen Fakt vergesse, wenn ich es nur auf meinem Handy sehen und in meinen Ohren hören kann. Nein! Das blaue Licht ist wichtig! Also habe ich es mit einem sehr kleinen Stück Gaffa abgeklebt.

Die Kopfhörer haben eine Akkulaufzeit von großzügig geschätzten fünf Stunden, also musste ich sie, wenn ich sie nur auf meinem täglichen Arbeitsweg nutzte, etwa alle 2-3 Tage aufladen. Damit hätte ich leben können, glaube ich. Aber das absolute Killerfeature (in dem Sinne, dass das Produkt dadurch für mich gestorben ist) war der Warnton, der mich über die schwindende Batterieleistung informieren sollte. Er meldet sich erstmals etwa eine Stunde, bevor der Akku wirklich leer ist. Während des Warntons wird außerdem die Lautstärke des Mediums, das man eigentlich gerade konsumiert, stark reduziert, damit man den Ton auch wirklich gut hören kann. Okay, gut, wenigstens weiß ich jetzt, dass ich die Kopfhörer laden sollte, wenn ich im Büro oder Zuhause ankomme. Kein Problem.

Aber: Nach dem ersten Warnton meldet sich der Kopfhörer alle dreißig Sekunden. Ja, ihr habt richtig gehört. Etwa zwanzig Prozent der gesamten (nicht sonderlich langen) Batterielaufzeit wird der Kopfhörer dadurch quasi vollkommen unbrauchbar. Irgendwann spielt er einen einen (anderen!) Warnton ab und geht aus. An diesem Punkt fast schon eine Erlösung.

Coolerweise kann iOS den Batteriestatus von Bluetooth-Geräten anzeigen, und mich so auf dem Laufenden halten. So hätte ich die Kopfhörer vielleicht immer schnell wieder aufladen können, wenn ich in die Nähe der letzten 20% gekommen wäre. Allerdings, Wunder über Wunder, funktionierte dieses Features an den beiden Klumpen Elektroschrott, die ich mir eine Weile lang regelmäßig in die Ohren schob, nicht richtig. Die Anzeige funktionierte zwischen 100 und 50% einwandfrei. Dann blieb sie auf 50% stehen. Irgendwann erreichte sie, ohne einen der anderen Zwischenschritte abzuklappern, 10% und der Warnton setzte ein.

Das war kein tragbarer Zustand und ich wechselte nach einigen Monaten wieder auf das Dongle zurück. Das war zwar furchtbar, aber wenigstens verlässlich und berechenbar.

Akt 2

Apple brachte kleine weiße Kopfhörer raus. Irgendwann hatten viele Leute welche gekauft, und alle waren sich einig: Geschnitten Brot ist ja vielleicht schön und gut, aber mit diesen Dingern hier kann man Musik hören! Sie haben Bluetooth und eine kleine Dose mit einer kleinen Klappe! Sie haben einen Lightninganschluss, und welches geschnittene Brot kann das schon von sich behaupten? Die Sachlage war klar: Apple war mal wieder ein großer Wurf gelungen.

Wie das mit toten Fischen und innerlich toten Mittzwanzigern so ist, schwamm ich mit dem Strom und rannte in einer Mittagspause in den Apple Store am Kurfürstendamm und überredete einen der nutzlos herumstehenden Angestellten, mich bitte bitte bezahlen zu lassen. Schon auf dem Gehweg vor dem Apple Store konnte ich bestätigen: Ja, es handelte sich wirklich um Kopfhörer, die Musik abspielen konnten.

Auf dem kurze Fußweg zurück zum Bahnhof Zoo schob ich den rechten AirPod etwa achttausend Mal so tief wie ohne operativen Eingriff möglich in meinen Gehörkanal, und doch ließ sich (im Gegensatz zum rechten AirPod) das Gefühl nicht abschütteln, dass da etwas im Argen liegt.

Auf dem Weg ins Büro hörte ich eigentlich irgendwas auf Spotify, aber am Bahnsteig hörte ich vor allem die einfahrende S-Bahn. Ob das nun an der zweifelhaften Ohrfixierung, der allgemeinen Hellhörigkeit der AirPods oder der unglaublichen Lautstärke der Berliner S-Bahn lag, ist nachträglich schwer zu sagen.

Es wurde jedenfalls nicht besser. Bei jedem zweiten Schritt (und man macht ja dutzende Schritte jeden Tag!) hatte ich das Gefühl, den rechten AirPod nachjustieren zu müssen. (Der Linke hielt übrigens tadellos! Danke, Jony!) Er fiel, so viel möchte gesagt sein, kein einziges Mal heraus, aber das war auch schon alles. Nach einer Woche stand fest: Ich und diese 179€ teure Gefahr für meine geistige Gesundheit würden zusammen nicht glücklich werden.

Also lief ich in einer neuen Mittagspause (Mittagspausen sind zum Glück wie Nippel schlechte Laune: man hat jeden Tag eine) zurück zum Apple Store. Nachdem ich es schon mühselig fand, einen Mitarbeiter dazu zu bewegen, Geld von mir entgegenzunehmen, war es tatsächlich noch anstrengender, jemanden zu finden, der mir mein Geld zurückgeben würde. „Sind Sie sich sicher?“, fragte mich die nette Angestellte schließlich nach meiner Schilderung der Ereignisse, „Sie müssen Dinge erst nach zwei Wochen zurückgeben“, aber 1) war ich sicher und 2) würde ich sicher nicht dreimal innerhalb von zwei Wochen zum Bahnhof Zoo fahren.

Also wechselte ich zurück zum Dongle. Das war zwar furchtbar, aber wenigstens konnte ich Kopfhörer benutzen, die nicht aus meinen Ohren fallen.

Akt 3

Eines Winterabends überlegte ich, tief in meine Dongledepression versunken, dass es cool wäre, wenn es einen ganz simplen Blutooth-Klinkenanschluss gäbe. Einfach ein 3,5mm großes Loch, das irgendwie mit einem Akku und einem Bluetooth-Empfänger verlötet wurde, und in das ich beliebige Kopfhörer einstecken könnte.

Tja.

Wäre ich da mal 1,5 Jahre früher drauf gekommen! So etwas existiert.

Erst war ich skeptisch, immerhin ist das Gerät von der gleichen Firma, die ihre Inkopetenz schon durch die Bluetooth-Kopfhörer beweisen konnte, aber ich war bereit, ihnen noch eine Chance zu geben.

Aber seit ich das Ding habe, ist alles in Ordnung. Mein Leben hat wieder einen Sinn. Ich kann Kopfhörer meiner Wahl benutzen, der Akku reicht etwa 15 Stunden (ewig!) und der Warnton existiert zwar auch bei diesem Modell, aber durch die lange Akkulaufzeit höre ich ihn extrem selten. Und der Preis ist natürlich unschlagbar.

Etwas Besseres fällt mir aktuell nicht ein.

Okay, also:

Ich bleibe überzeugt, dass das Entfernen des Kopfhöreranschluss ein unnötiger Move war, der keine Gewinner hervorgebracht hat. Zwichenzeitlich, aber das war keinen eigenen Akt wert (Akte sind ja wie Nippel: Es sollten immer genau drei sein), besaß ich für einen Abend Kopfhörer mit Lightning- statt Klinkenanschluss, aber die hatten eine absolut inakzeptable Menge Bass und kosteten fünfundvierzig Euro (das sind etwa achttausend Mark), also brachte ich sie am nächsten Tag direkt zurück zu Amazon. (Sie sind dort scheinbar auch nicht mehr gelistet.)

Mit meinem neuen Adapter kann ich wenigstens früher noch ganz selbstverständliche Vorteile genießen:

  • An fast jedem Gerät die gleichen Kopfhörer benutzen
  • An meinem iPhone jeden beliebigen Kopfhörer benutzen
  • Ich kann das iPhone aufladen, während ich Musik höre

Unglaublich, was für bescheuerte Sachen manchmal zu Features werden.

Die Stunde da wir nichts voneinander wußten

Seit meinem Abitur vor sieben Jahren (Herrje!) habe ich immer wieder Plakate für den Kurs Literatur und Theater meiner ehemaligen Schule erstellt. Die Lehrerin meldete sich bei mir, erklärte mir das Stück, schickte es mir teilweise sogar zu, und am Ende fiel ein Plakat aus mir heraus. Diese Ära geht jetzt zuende: Der Kurs wird im kommenden Schuljahr nicht mehr angeboten, und damit wird „Die Stunde da wir nichts voneinander wußten“ wohl vorerst mein letztes Plakat für Schultheater bleiben. Dafür finde ich es ganz gelungen!

Über diesen Relaunch

Die neue Losstopschade-Version ist seit ein paar Tagen online und die ersten Alibi-Posts, die man schreiben muss, damit nicht direkt der erste Post ein blöder Metapost übers Bloggen wird, sind geschrieben. Mein liebstes Feedback bis jetzt kam von Max:

iMessage-Nachricht: "digitaler internet-weblog" ist sehr “So I’m making a network of digital podcasts… ah… that we will monitor… that… that will… that is gonna meet… sorry.”

Es wird also Zeit für die wichtigen Fragen:

Warum überhaupt ein Relaunch?

Die alte Version von Losstopschade war seit 2010 online und das ist einfach zu lang. 98% der Dinge, die ich 2010 gemacht habe, müssen 2018 nicht mehr im Internet stehen – egal, ob sie peinlich, langweilig oder nur irrelevant geworden sind. (Ich hatte neulich aus dem gleichen Grund schon alle Posts vor 2015 auf Privat gestellt.) Irgendwie hatte ich den Blog zuletzt auch kaum noch befüllt. Das hatte verschiedene Gründe, aber irgendwie wurde ich auch von dem Gewicht von den hunderten von alten Posts runtergezogen. Hinzu kam, dass es anstrengend war, das Theme anzupassen, weil das nur live im Tumblr Theme Editor möglich war – und seit ich professionelle™ Frontend-Entwickler bin, ist mir das einfach zu blöd.

Auf der anderen Seite gibt es so viel soziale Netzwerke, an denen ich Texte, Fotos oder Videos lassen kann, dass es gar nicht so sinnvoll erschien, ausgerechnet meinen Weblog zu befüllen. Aber: Ich habe meine Meinung dazu geändert. Ich finde, die Welt braucht wieder mehr Blogs. Ich würde lieber noch drei richtig gute Blogs von meinen Freunden lesen, als dreißig generischen Influencern zuzuschauen, wie sie mir lächelnd Spülmittel verkaufen. Ich möchte einfach deinen einfachen, persönlichen Post über irgendwas Unverfängliches in meinem RSS-Reader haben, und mich durch kein Online-Lifestyle-Magazin klicken, das jede meiner Augenbewegungen analysiert, um mir Werbung auszuspielen. (Puh.)

Daraus ergibt sich auch der dritte Punkt: Mit einem selbstprogrammierten, selbstgehosteten Blog habe ich endlich wieder volle Kontrolle über alles, was mit dieser Webseite zu tun hat. Ich bin zum Beispiel gerade so rechtzeitig aus Tumblr ausgestiegen, bevor sie ihre furchtbare ganzseitige DSGVO-Meldung über meinen Blog kleben konnten.

Ich musste aber beispielsweise lange in Kauf nehmen, dass sie gegen meinen Willen zwei (!) Banner auf der mobilen Ansicht der Seite anzeigen, oder dass sie automatisch (und ohne Opt-Out Möglichkeit!) allerlei Krempel in den HTML-Code einfügen. Ohne, dass ich mein eigenes Template anfasste, veränderten sich immer wieder Dinge, was im Nachhinein ziemlich blöd war, aber wenn man der Frosch im Kochtopf ist, denkt man manchmal gar nicht dran, was es wohl zum Abendessen gibt.

All das ist jetzt vorbei. Jedes Byte, das dieser Blog jetzt ausliefert, ist in liebevoller Handarbeit einzeln ausgewählt und setzt meinen Traum einer kleinen Webseite um. Wie mache ich das? Lest jetzt weiter, um das zu erfahren:

Technische Hintergründe: Losstopschade und der Orden des Phoenix

Falls ihr euch nicht so sehr für Programmierthemen interessiert, könnt ihr diesen Teil überspringen. Er ist nicht klausurrelevant!

Dieser Blog läuft auf einem selbstgeschriebenen System, das auf dem Phoenix Framework basiert, welches wiederum die Programmiersprache Elixir nutzt. Als Datenbank verwende ich Postgres. Im Frontend benutze ich Stylus als CSS-Preprocessor und mein JavaScript besteht aktuell nur aus Turbolinks. Der Source Code liegt (natürlich) bei Github und gehostet wird das ganze (natürlich) bei Uberspace.

Erste Erfahrungen mit genau diesem Stack habe ich schon mit meiner Rezepteseite (Repository hier) gemacht, und das Erlebnis war (bis auf die Lernkurve) so gut, dass ich es für den Blog gerne wiederholt habe. Falls ihr euch auch schon mal überlegt habt, Elixir auszuprobieren: Tut es, es ist ziemlich cool!

Inzwischen müsste ich mich eigentlich daran gewöhnt haben, aber ich bin immer noch absolut begeistert davon, wie schnell die Kombination aus Phoenix, Turbolinks und „keinen Schrott ausliefern“ ist. Ich musste dafür 2 Zeilen JavaScript schreiben (import Turbolinks from 'turbolinks'; Turbolinks.start()), und meine Seite ist schnell wie eine Single Page App, aber ich hatte keinen Stress. (Im Ernst: Meine Begeisterung für Phoenix ist ziemlich groß, aber die für Turbolinks ist noch größer. Wenn ihr nur eine einzige Sache von diesem Blogpost mitnehmt, dann lasst es bitte Turbolinks sein. Baut Turbolinks auf eure statischen Webseiten ein, lehnt euch zurück, genießt die Geschwindigkeit und macht früher Feierabend, weil ihr nicht vier Wochen lang React Router konfigurieren müsst.)

Noch eine Besonderheit am Rande: Ich habe lange überlegt, ob ich gerne eine statisch generierte Webseite haben will (wie das, was bei Jekyll rausfällt) oder eine Datenbankgestützte (wie bei Wordpress). Beides hat Vor- und Nachteile: Statisch generierte Seiten sind einfach und überall zu hosten, es ist relativ einfach, eine sehr schnelle Seite zu erhalten, und man kann die Quelldateien für die Blogposts zusammen mit dem Seitencode im Repository lagern. Nachteile sind, dass man nicht so flexibel ist, wenn man beispielsweise eine Suche einbauen will, oder wenn man bestimmte Sortier- oder Filteroptionen anbieten will. Schlussendlich habe ich mich für einen Hybrid entschieden: Die Posts liegen tatsächlich in einem Ordner im Repository, werden bei jedem Deploy eingelesen und die Datenbank wird dann komplett ersetzt. Ich nenne es Immutable Database oder sowas. Meiner Meinung nach ist es das Beste von beiden Welten. Die Geschwindigkeit ist für mich kein Problem, weil Elixir so lächerlich schnell ist, und das Hosting ist für mich kein Problem, weil Uberspace so gut ist. Für euch könnten die Trade Offs anders sein!

Ich bin jedenfalls sehr zufrieden, wie sich dieser Blog aktuell entwickelt, und ich hoffe, ihr habt auch ein bisschen Spaß. (Ich habe keine Statistiken – es könnte sein, dass nur meine Oma hier mitliest, aber ich werde es nie erfahren.) Bis bald!

Museen und Ernten

Illustration: Ein alter Fernseher und ein VHS-Player

Ein offener Brief an Leute, die in Museen arbeiten.

Hin und wieder gehe ich in Museen. Museen sind cool, ich mag zum Beispiel das Hansemuseum in Lübeck, das Berliner Museum für Naturkunde, den Tränenpalast (in Berlin) und fand das Videospielemuseum (ebenfalls Berlin) nicht so gut.

Es gibt allerdings eine Sache, die mich in Museen oft nervt: Schlechter Medieneinsatz und zu lineare Darstellungsformen. Insbesondere Video. Oh je, Video. Ich meine, ja, okay, I get it. Ich kann mir die Brainstormings sehr gut vorstellen: „So, und hier in die Mitte [zeigt auf die Mitte des Grundrisses] stellen wir einen großen Dinosaurier … aber was machen wir dann mit den Wänden? Hmm …“

Es gibt wenig, was mich in Museen so frustriert, wie zu einem laufenden Video dazuzukommen, kurz draufzuschauen, nicht zu verstehen, worum es geht, keine Ahnung zu haben, wie lang das Video ist, und nicht zu wissen, wie lange es dauert, bis es das nächste Mal anfängt. Wenn es doch nur, im Jahre 2018, eine Möglichkeit gäbe, diese Informationen an mich zu übermitteln:

Alles, was ich will, ist eine Linie, die am unteren Bildschirmrand von links nach rechts länger wird. Dann könnte ich zu einem Bildschirm kommen, draufschauen, und sofort erkennen, wie schnell sich die Linie bewegt und wie lange es ungefähr dauern wird, bis das Video von vorne beginnt. Dann könnte man leicht erkennen, ob es sich lohnt, kurz zu warten, um das Video in seiner ganzen Länge sehen zu können.

Illustration: Links ein Bildschirm ohne Linie unten, auf dem Fragezeichen zu sehen sind. Rechts ein Bildschirm mit roter Linie unten, auf dem Ausrufezeichen zu sehen sind.

Im Berliner Naturkundemuseum gibt es ein Video über das Universum, das an die Decke projiziert wird. Darunter gibt es einen gepolsterter Bereich, wo man sich hinlegen kann. Zwischen zwei „Vorführungen“ gibt es eine kurze Pause, in der ein Timer zum nächsten Anfang runterzählt. Das ist schon fast, was ich meine! Allerdings ist das auch das einzige Beispiel dieser UX (yes I said it), an die ich mich erinnern kann. Mehr davon, bitte!

Das Problem ist vermutlich, dass dafür ein bisschen mehr mediales Know How vorhanden sein müsste, als fünf VHS-Geräte mit automatischer Zurückspulfunktion in einen Raum mit einem Dinosaurierskelett zu stellen. (Nein, wartet! VHS-Player konnten anzeigen, wie lange der Film auf der Kassette noch dauert! Checkmate, Atheists!) Bis dahin werde ich wohl einfach weiter an den leuchtenden Bildschirmen von Museen vorbeigehen müssen, um altmodische, statische Tafeln zu lesen. Tafeln funktionieren nämlich ausgezeichnet. Man kann kommen und gehen, wann man will, jeder kann sich seine Geschwindigkeit selbst aussuchen, sie sind extrem kostengünstig, verursachen quasi keine Wartungskosten und sehen auch noch gut aus. Ich meine ja nur.

Beets, aber auch Roots

Neulich (während ich meine jüngere Vergangenheit aufarbeite, müssen leider alle Blogposts mit „neulich“ anfangen) war ich innerhalb von drei Tagen zweimal bei Beets & Roots in der Großen Hamburger Straße (eigentlich witzig, dass ausgerechnet dort ein Laden existiert, in dem es keine Hamburger gibt, lmao.)

Der Laden lässt sich mit vielen Adjektiven beschreiben, „gemütlich“ oder „charmant“ gehören aber nicht unbedingt dazu – aber was soll’s, crappy-heimelige Cafés mit wackelnden Stühlen vom Sperrmüll gibt es in Berlin inzwischen genug! Ich will Hochgeschwindigkeitsgastronomie und einen Haufen Hirtenkäse in einer Tonschüssel (ich glaube, es ist Ton, aber wer weiß), und genau das kann man hier bekommen.

Beide Male war nicht so viel los, und wir bekamen unsere fertigen Bowls quasi sofort, nachdem wir bezahlt hatten. Die Mitarbeiter waren schnell und freundlich, es gibt eine große Menge an Sitzgelegenheiten, und, ich meine, im Ernst, goldgelb gefärbter Blumenkohl mit Minze und Granatapfelstücken ist einfach so unglaublich instagrammable.

Oriental Bowl von „Beets & Roots“

Aber nicht nur bei mir hat die Bowl einen innerlichen Begeisterungssturm ausgelöst:

Chat mit Cecilia zum Foto meiner Oriental Bowl. Cecilia: „ORIENTAL BOWL!“ Ich: „BEST OF THE BOWLS“ Cecilia: „WÜRDE ICH AUCH SAGEN ABER ES IST DIE EINZIGE DIE ICH DA GEGESSEN HABE ALSO IST DIE AUSSAGE ETWAS WERTLOS“ Ich: „SAME BEI MIR“

Also: Wenn ihr in Mitte oder an der Friedrichstraße (da ist auch ein Laden, und ja, das ist auch Mitte, ich weiß) abhängt und hungrig seid, dann geht doch vorbei und sagt, dass Daniel euch geschickt hat. Sobald das ein paar hundert Leute gemacht haben, kann ich da reinlaufen und „Hallo, ich bin Daniel“ sagen, werde mit Ziegenkäse überschüttet und habe mein Lebensziel endlich erreicht.

Jupiter sehen und sterben

Illustration: Ein Planet lächelt seinem Mond zu.

Neulich besuchte ich meine Familie in der süddeutschen Provinz und ging am letzten Tag meines Besuchs mit meiner Schwester spazieren. Es war schon kurz nach 23 Uhr, als wir am Rande des Dorfes ankamen und dann eine Weile auf einem unbeleuchteten Feldweg liefen. Nachdem wir die letzten Straßenlaternen hinter uns gelassen haben, bemerkte ich plötzlich, zum ersten Mal seit vermutlich Monaten, die Sterne. Konstellationen und Sternbilder fielen mir mit so einer Wucht ins Auge, dass ich es gar nicht richtig glauben konnte. In Berlin gibt es nämlich keine Sterne. Es gibt etwas namens „Nachthimmel“, und es ist so ein dunkelblau-fastschwarzes Ding, das oben rumhängt, aber wenn man mit bloßem Auge hinschaut, sieht man überhaupt nichts.

Ganz anders in dieser sternenklaren (Aha, daher kommt also das Wort!) Nacht, am Rande eines 2500 Seelendorfes im Süden unserer Republik: Man sieht hunderte und hunderte Sterne und es ist fantastisch und überwältigend.

Ich weiß, blabla, Lichtverschmutzung, dieser Blogpost bringt keine neuen Informationen und ist ein bisschen albern, und sind wir hier eigentlich in einem John Green-Buch gelandet, aber als ich auf diesem Feldweg stand und mit meiner Schwester nach oben geschaut habe, war ich absolut hin und weg. Es war wunderschön.

Wir erkannten ein paar Sternbilder, aber ich wollte die Chance nutzen, suchte im App Store nach einer Sternbilder-App und fand nach kurzer Suche Star Chart, das zum Glück unter 30 MB groß war – also genau richtig für einen schnellen Download auf einem Feldweg.

Ich startete die App, schaute mich mit dem Accelerometer ein bisschen um, konnte endlich feststellen, welche der etwa fünf Zickzack-Linien am Himmel jetzt wirklich die echte Kassiopeia war, schaute dann am iPhone vorbei nach Südwesten und entdeckte einen hellen Stern. „Oh, wow, welcher Stern ist das wohl?“, dachte ich, und schaute nach.

Es war Jupiter. Alter, was zur Hölle. Ich konnte es wirklich nicht glauben. Ich fürchte, ich kann meine innere Aufruhr über diesen Moment gar nicht in ausreichender Form in einen Blogeintrag gießen, aber ich konnte nicht fassen, dass ich hier, über die Hügel meines Heimatdorfes hinweg einen fucking Planeten aus unserem Sonnensystem sehen konnte, der so hell leuchtete (ja, reflektierte), dass ich ihn mit bloßem Auge nicht nur vom Nachthimmel, sondern auch von den anderen Sternen außenrum unterscheiden konnte. Wow.