Ich habe mir ein Paar AirPods gekauft, sie eine Woche lang getragen und dann zurückgebracht. Dann geschah etwas, das mich zum Weinen gebracht hat. Das hier ist meine Geschichte.

Akt 1

Apple brachte ein Mobiltelefon ohne Klinkenanschluss heraus. Mein Leben geriet völlig aus den Fugen. Ich probierte es mit dem beiliegenden Dongle (furchtbar unpraktisch, hässlich und scheiße), gab aber irgendwann nach und kaufte Bluetooth-Kopfhörer.

Die neuen Kopfhörer waren, im Vergleich zu ihren Vorgängern, die sie ersetzten, ein Downgrade in allen Bereichen: Sie waren teurer, größer, auffälliger, hässlicher und waren generell unterträglich. Ich frage mich, wer bei so einem Produkt dafür verantwortlich ist, diese kleinen Detailentscheidungen zu treffen, die alle zusammenkommen müssen, um so ein durch und durch furchtbares Produkt herauszubringen.

Die Kopfhörer haben ein blaues Licht, das blinkt, wenn die Kopfhörer an sind. Nicht, dass ich diesen Fakt vergesse, wenn ich es nur auf meinem Handy sehen und in meinen Ohren hören kann. Nein! Das blaue Licht ist wichtig! Also habe ich es mit einem sehr kleinen Stück Gaffa abgeklebt.

Die Kopfhörer haben eine Akkulaufzeit von großzügig geschätzten fünf Stunden, also musste ich sie, wenn ich sie nur auf meinem täglichen Arbeitsweg nutzte, etwa alle 2-3 Tage aufladen. Damit hätte ich leben können, glaube ich. Aber das absolute Killerfeature (in dem Sinne, dass das Produkt dadurch für mich gestorben ist) war der Warnton, der mich über die schwindende Batterieleistung informieren sollte. Er meldet sich erstmals etwa eine Stunde, bevor der Akku wirklich leer ist. Während des Warntons wird außerdem die Lautstärke des Mediums, das man eigentlich gerade konsumiert, stark reduziert, damit man den Ton auch wirklich gut hören kann. Okay, gut, wenigstens weiß ich jetzt, dass ich die Kopfhörer laden sollte, wenn ich im Büro oder Zuhause ankomme. Kein Problem.

Aber: Nach dem ersten Warnton meldet sich der Kopfhörer alle dreißig Sekunden. Ja, ihr habt richtig gehört. Etwa zwanzig Prozent der gesamten (nicht sonderlich langen) Batterielaufzeit wird der Kopfhörer dadurch quasi vollkommen unbrauchbar. Irgendwann spielt er einen einen (anderen!) Warnton ab und geht aus. An diesem Punkt fast schon eine Erlösung.

Coolerweise kann iOS den Batteriestatus von Bluetooth-Geräten anzeigen, und mich so auf dem Laufenden halten. So hätte ich die Kopfhörer vielleicht immer schnell wieder aufladen können, wenn ich in die Nähe der letzten 20% gekommen wäre. Allerdings, Wunder über Wunder, funktionierte dieses Features an den beiden Klumpen Elektroschrott, die ich mir eine Weile lang regelmäßig in die Ohren schob, nicht richtig. Die Anzeige funktionierte zwischen 100 und 50% einwandfrei. Dann blieb sie auf 50% stehen. Irgendwann erreichte sie, ohne einen der anderen Zwischenschritte abzuklappern, 10% und der Warnton setzte ein.

Das war kein tragbarer Zustand und ich wechselte nach einigen Monaten wieder auf das Dongle zurück. Das war zwar furchtbar, aber wenigstens verlässlich und berechenbar.

Akt 2

Apple brachte kleine weiße Kopfhörer raus. Irgendwann hatten viele Leute welche gekauft, und alle waren sich einig: Geschnitten Brot ist ja vielleicht schön und gut, aber mit diesen Dingern hier kann man Musik hören! Sie haben Bluetooth und eine kleine Dose mit einer kleinen Klappe! Sie haben einen Lightninganschluss, und welches geschnittene Brot kann das schon von sich behaupten? Die Sachlage war klar: Apple war mal wieder ein großer Wurf gelungen.

Wie das mit toten Fischen und innerlich toten Mittzwanzigern so ist, schwamm ich mit dem Strom und rannte in einer Mittagspause in den Apple Store am Kurfürstendamm und überredete einen der nutzlos herumstehenden Angestellten, mich bitte bitte bezahlen zu lassen. Schon auf dem Gehweg vor dem Apple Store konnte ich bestätigen: Ja, es handelte sich wirklich um Kopfhörer, die Musik abspielen konnten.

Auf dem kurze Fußweg zurück zum Bahnhof Zoo schob ich den rechten AirPod etwa achttausend Mal so tief wie ohne operativen Eingriff möglich in meinen Gehörkanal, und doch ließ sich (im Gegensatz zum rechten AirPod) das Gefühl nicht abschütteln, dass da etwas im Argen liegt.

Auf dem Weg ins Büro hörte ich eigentlich irgendwas auf Spotify, aber am Bahnsteig hörte ich vor allem die einfahrende S-Bahn. Ob das nun an der zweifelhaften Ohrfixierung, der allgemeinen Hellhörigkeit der AirPods oder der unglaublichen Lautstärke der Berliner S-Bahn lag, ist nachträglich schwer zu sagen.

Es wurde jedenfalls nicht besser. Bei jedem zweiten Schritt (und man macht ja dutzende Schritte jeden Tag!) hatte ich das Gefühl, den rechten AirPod nachjustieren zu müssen. (Der Linke hielt übrigens tadellos! Danke, Jony!) Er fiel, so viel möchte gesagt sein, kein einziges Mal heraus, aber das war auch schon alles. Nach einer Woche stand fest: Ich und diese 179€ teure Gefahr für meine geistige Gesundheit würden zusammen nicht glücklich werden.

Also lief ich in einer neuen Mittagspause (Mittagspausen sind zum Glück wie Nippel schlechte Laune: man hat jeden Tag eine) zurück zum Apple Store. Nachdem ich es schon mühselig fand, einen Mitarbeiter dazu zu bewegen, Geld von mir entgegenzunehmen, war es tatsächlich noch anstrengender, jemanden zu finden, der mir mein Geld zurückgeben würde. „Sind Sie sich sicher?“, fragte mich die nette Angestellte schließlich nach meiner Schilderung der Ereignisse, „Sie müssen Dinge erst nach zwei Wochen zurückgeben“, aber 1) war ich sicher und 2) würde ich sicher nicht dreimal innerhalb von zwei Wochen zum Bahnhof Zoo fahren.

Also wechselte ich zurück zum Dongle. Das war zwar furchtbar, aber wenigstens konnte ich Kopfhörer benutzen, die nicht aus meinen Ohren fallen.

Akt 3

Eines Winterabends überlegte ich, tief in meine Dongledepression versunken, dass es cool wäre, wenn es einen ganz simplen Blutooth-Klinkenanschluss gäbe. Einfach ein 3,5mm großes Loch, das irgendwie mit einem Akku und einem Bluetooth-Empfänger verlötet wurde, und in das ich beliebige Kopfhörer einstecken könnte.

Tja.

Wäre ich da mal 1,5 Jahre früher drauf gekommen! So etwas existiert.

Erst war ich skeptisch, immerhin ist das Gerät von der gleichen Firma, die ihre Inkopetenz schon durch die Bluetooth-Kopfhörer beweisen konnte, aber ich war bereit, ihnen noch eine Chance zu geben.

Aber seit ich das Ding habe, ist alles in Ordnung. Mein Leben hat wieder einen Sinn. Ich kann Kopfhörer meiner Wahl benutzen, der Akku reicht etwa 15 Stunden (ewig!) und der Warnton existiert zwar auch bei diesem Modell, aber durch die lange Akkulaufzeit höre ich ihn extrem selten. Und der Preis ist natürlich unschlagbar.

Etwas Besseres fällt mir aktuell nicht ein.

Okay, also:

Ich bleibe überzeugt, dass das Entfernen des Kopfhöreranschluss ein unnötiger Move war, der keine Gewinner hervorgebracht hat. Zwichenzeitlich, aber das war keinen eigenen Akt wert (Akte sind ja wie Nippel: Es sollten immer genau drei sein), besaß ich für einen Abend Kopfhörer mit Lightning- statt Klinkenanschluss, aber die hatten eine absolut inakzeptable Menge Bass und kosteten fünfundvierzig Euro (das sind etwa achttausend Mark), also brachte ich sie am nächsten Tag direkt zurück zu Amazon. (Sie sind dort scheinbar auch nicht mehr gelistet.)

Mit meinem neuen Adapter kann ich wenigstens früher noch ganz selbstverständliche Vorteile genießen:

  • An fast jedem Gerät die gleichen Kopfhörer benutzen
  • An meinem iPhone jeden beliebigen Kopfhörer benutzen
  • Ich kann das iPhone aufladen, während ich Musik höre

Unglaublich, was für bescheuerte Sachen manchmal zu Features werden.