Illustration: Ein Planet lächelt seinem Mond zu.

Neulich besuchte ich meine Familie in der süddeutschen Provinz und ging am letzten Tag meines Besuchs mit meiner Schwester spazieren. Es war schon kurz nach 23 Uhr, als wir am Rande des Dorfes ankamen und dann eine Weile auf einem unbeleuchteten Feldweg liefen. Nachdem wir die letzten Straßenlaternen hinter uns gelassen haben, bemerkte ich plötzlich, zum ersten Mal seit vermutlich Monaten, die Sterne. Konstellationen und Sternbilder fielen mir mit so einer Wucht ins Auge, dass ich es gar nicht richtig glauben konnte. In Berlin gibt es nämlich keine Sterne. Es gibt etwas namens „Nachthimmel“, und es ist so ein dunkelblau-fastschwarzes Ding, das oben rumhängt, aber wenn man mit bloßem Auge hinschaut, sieht man überhaupt nichts.

Ganz anders in dieser sternenklaren (Aha, daher kommt also das Wort!) Nacht, am Rande eines 2500 Seelendorfes im Süden unserer Republik: Man sieht hunderte und hunderte Sterne und es ist fantastisch und überwältigend.

Ich weiß, blabla, Lichtverschmutzung, dieser Blogpost bringt keine neuen Informationen und ist ein bisschen albern, und sind wir hier eigentlich in einem John Green-Buch gelandet, aber als ich auf diesem Feldweg stand und mit meiner Schwester nach oben geschaut habe, war ich absolut hin und weg. Es war wunderschön.

Wir erkannten ein paar Sternbilder, aber ich wollte die Chance nutzen, suchte im App Store nach einer Sternbilder-App und fand nach kurzer Suche Star Chart, das zum Glück unter 30 MB groß war – also genau richtig für einen schnellen Download auf einem Feldweg.

Ich startete die App, schaute mich mit dem Accelerometer ein bisschen um, konnte endlich feststellen, welche der etwa fünf Zickzack-Linien am Himmel jetzt wirklich die echte Kassiopeia war, schaute dann am iPhone vorbei nach Südwesten und entdeckte einen hellen Stern. „Oh, wow, welcher Stern ist das wohl?“, dachte ich, und schaute nach.

Es war Jupiter. Alter, was zur Hölle. Ich konnte es wirklich nicht glauben. Ich fürchte, ich kann meine innere Aufruhr über diesen Moment gar nicht in ausreichender Form in einen Blogeintrag gießen, aber ich konnte nicht fassen, dass ich hier, über die Hügel meines Heimatdorfes hinweg einen fucking Planeten aus unserem Sonnensystem sehen konnte, der so hell leuchtete (ja, reflektierte), dass ich ihn mit bloßem Auge nicht nur vom Nachthimmel, sondern auch von den anderen Sternen außenrum unterscheiden konnte. Wow.