Losstopschade

Der Straßen­atlas für die Daten­auto­bahn, karto­grafiert von Daniel Diekmeier. Archiv. Jetzt abonnieren →

Beets, aber auch Roots

Neulich (während ich meine jüngere Vergangenheit aufarbeite, müssen leider alle Arikel mit „neulich“ anfangen) war ich innerhalb von drei Tagen zweimal bei Beets & Roots in der Großen Hamburger Straße (eigentlich witzig, dass ausgerechnet dort ein Laden existiert, in dem es keine Hamburger gibt, lmao.)

Der Laden lässt sich mit vielen Adjektiven beschreiben, „gemütlich“ oder „charmant“ gehören aber nicht unbedingt dazu – aber was soll’s, crappy-heimelige Cafés mit wackelnden Stühlen vom Sperrmüll gibt es in Berlin inzwischen genug! Ich will Hochgeschwindigkeitsgastronomie und einen Haufen Hirtenkäse in einer Tonschüssel (ich glaube, es ist Ton, aber wer weiß), und genau das kann man hier bekommen.

Beide Male war nicht so viel los, und wir bekamen unsere fertigen Bowls quasi sofort, nachdem wir bezahlt hatten. Die Mitarbeiter waren schnell und freundlich, es gibt eine große Menge an Sitzgelegenheiten, und, ich meine, im Ernst, goldgelb gefärbter Blumenkohl mit Minze und Granatapfelstücken ist einfach so unglaublich instagrammable.

Oriental Bowl von „Beets & Roots“

Aber nicht nur bei mir hat die Bowl einen innerlichen Begeisterungssturm ausgelöst:

Chat mit Cecilia zum Foto meiner Oriental Bowl. Cecilia: „ORIENTAL BOWL!“ Ich: „BEST OF THE BOWLS“ Cecilia: „WÜRDE ICH AUCH SAGEN ABER ES IST DIE EINZIGE DIE ICH DA GEGESSEN HABE ALSO IST DIE AUSSAGE ETWAS WERTLOS“ Ich: „SAME BEI MIR“

Also: Wenn ihr in Mitte oder an der Friedrichstraße (da ist auch ein Laden, und ja, das ist auch Mitte, ich weiß) abhängt und hungrig seid, dann geht doch vorbei und sagt, dass Daniel euch geschickt hat. Sobald das ein paar hundert Leute gemacht haben, kann ich da reinlaufen und „Hallo, ich bin Daniel“ sagen, werde mit Ziegenkäse überschüttet und habe mein Lebensziel endlich erreicht.

Jupiter sehen und sterben

Illustration: Ein Planet lächelt seinem Mond zu.

Neulich besuchte ich meine Familie in der süddeutschen Provinz und ging am letzten Tag meines Besuchs mit meiner Schwester spazieren. Es war schon kurz nach 23 Uhr, als wir am Rande des Dorfes ankamen und dann eine Weile auf einem unbeleuchteten Feldweg liefen. Nachdem wir die letzten Straßenlaternen hinter uns gelassen haben, bemerkte ich plötzlich, zum ersten Mal seit vermutlich Monaten, die Sterne. Konstellationen und Sternbilder fielen mir mit so einer Wucht ins Auge, dass ich es gar nicht richtig glauben konnte. In Berlin gibt es nämlich keine Sterne. Es gibt etwas namens „Nachthimmel“, und es ist so ein dunkelblau-fastschwarzes Ding, das oben rumhängt, aber wenn man mit bloßem Auge hinschaut, sieht man überhaupt nichts.

Ganz anders in dieser sternenklaren (Aha, daher kommt also das Wort!) Nacht, am Rande eines 2500 Seelendorfes im Süden unserer Republik: Man sieht hunderte und hunderte Sterne und es ist fantastisch und überwältigend.

Ich weiß, blabla, Lichtverschmutzung, dieser Artikel bringt keine neuen Informationen und ist ein bisschen albern, und sind wir hier eigentlich in einem John Green-Buch gelandet, aber als ich auf diesem Feldweg stand und mit meiner Schwester nach oben geschaut habe, war ich absolut hin und weg. Es war wunderschön.

Wir erkannten ein paar Sternbilder, aber ich wollte die Chance nutzen, suchte im App Store nach einer Sternbilder-App und fand nach kurzer Suche Star Chart, das zum Glück unter 30 MB groß war – also genau richtig für einen schnellen Download auf einem Feldweg.

Ich startete die App, schaute mich mit dem Accelerometer ein bisschen um, konnte endlich feststellen, welche der etwa fünf Zickzack-Linien am Himmel jetzt wirklich die echte Kassiopeia war, schaute dann am iPhone vorbei nach Südwesten und entdeckte einen hellen Stern. „Oh, wow, welcher Stern ist das wohl?“, dachte ich, und schaute nach.

Es war Jupiter. Alter, was zur Hölle. Ich konnte es wirklich nicht glauben. Ich fürchte, ich kann meine innere Aufruhr über diesen Moment gar nicht in ausreichender Form in einen Fließtext gießen, aber ich konnte nicht fassen, dass ich hier, über die Hügel meines Heimatdorfes hinweg einen fucking Planeten aus unserem Sonnensystem sehen konnte, der so hell leuchtete (ja, reflektierte), dass ich ihn mit bloßem Auge nicht nur vom Nachthimmel, sondern auch von den anderen Sternen außenrum unterscheiden konnte. Wow.

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