Losstopschade

Der digitale Internet-Weblog von Daniel Diekmeier. Jetzt abonnieren →

Über diesen Relaunch

Die neue Losstopschade-Version ist seit ein paar Tagen online und die ersten Alibi-Posts, die man schreiben muss, damit nicht direkt der erste Post ein blöder Metapost übers Bloggen wird, sind geschrieben. Mein liebstes Feedback bis jetzt kam von Max:

iMessage-Nachricht: “digitaler internet-weblog” ist sehr “So I’m making a network of digital podcasts… ah… that we will monitor… that… that will… that is gonna meet… sorry.”

Es wird also Zeit für die wichtigen Fragen:

Warum überhaupt ein Relaunch?

Die alte Version von Losstopschade war seit 2010 online und das ist einfach zu lang. 98% der Dinge, die ich 2010 gemacht habe, müssen 2018 nicht mehr im Internet stehen – egal, ob sie peinlich, langweilig oder nur irrelevant geworden sind. (Ich hatte neulich aus dem gleichen Grund schon alle Posts vor 2015 auf Privat gestellt.) Irgendwie hatte ich den Blog zuletzt auch kaum noch befüllt. Das hatte verschiedene Gründe, aber irgendwie wurde ich auch von dem Gewicht von den hunderten von alten Posts runtergezogen. Hinzu kam, dass es anstrengend war, das Theme anzupassen, weil das nur live im Tumblr Theme Editor möglich war – und seit ich professionelle™ Frontend-Entwickler bin, ist mir das einfach zu blöd.

Auf der anderen Seite gibt es so viel soziale Netzwerke, an denen ich Texte, Fotos oder Videos lassen kann, dass es gar nicht so sinnvoll erschien, ausgerechnet meinen Weblog zu befüllen. Aber: Ich habe meine Meinung dazu geändert. Ich finde, die Welt braucht wieder mehr Blogs. Ich würde lieber noch drei richtig gute Blogs von meinen Freunden lesen, als dreißig generischen Influencern zuzuschauen, wie sie mir lächelnd Spülmittel verkaufen. Ich möchte einfach deinen einfachen, persönlichen Post über irgendwas Unverfängliches in meinem RSS-Reader haben, und mich durch kein Online-Lifestyle-Magazin klicken, das jede meiner Augenbewegungen analysiert, um mir Werbung auszuspielen. (Puh.)

Daraus ergibt sich auch der dritte Punkt: Mit einem selbstprogrammierten, selbstgehosteten Blog habe ich endlich wieder volle Kontrolle über alles, was mit dieser Webseite zu tun hat. Ich bin zum Beispiel gerade so rechtzeitig aus Tumblr ausgestiegen, bevor sie ihre furchtbare ganzseitige DSGVO-Meldung über meinen Blog kleben konnten.

Ich musste aber beispielsweise lange in Kauf nehmen, dass sie gegen meinen Willen zwei (!) Banner auf der mobilen Ansicht der Seite anzeigen, oder dass sie automatisch (und ohne Opt-Out Möglichkeit!) allerlei Krempel in den HTML-Code einfügen. Ohne, dass ich mein eigenes Template anfasste, veränderten sich immer wieder Dinge, was im Nachhinein ziemlich blöd war, aber wenn man der Frosch im Kochtopf ist, denkt man manchmal gar nicht dran, was es wohl zum Abendessen gibt.

All das ist jetzt vorbei. Jedes Byte, das dieser Blog jetzt ausliefert, ist in liebevoller Handarbeit einzeln ausgewählt und setzt meinen Traum einer kleinen Webseite um. Wie mache ich das? Lest jetzt weiter, um das zu erfahren:

Technische Hintergründe: Losstopschade und der Orden des Phoenix

Falls ihr euch nicht so sehr für Programmierthemen interessiert, könnt ihr diesen Teil überspringen. Er ist nicht klausurrelevant!

Dieser Blog läuft auf einem selbstgeschriebenen System, das auf dem Phoenix Framework basiert, welches wiederum die Programmiersprache Elixir nutzt. Als Datenbank verwende ich Postgres. Im Frontend benutze ich Stylus als CSS-Preprocessor und mein JavaScript besteht aktuell nur aus Turbolinks. Der Source Code liegt (natürlich) bei Github und gehostet wird das ganze (natürlich) bei Uberspace.

Erste Erfahrungen mit genau diesem Stack habe ich schon mit meiner Rezepteseite (Repository hier) gemacht, und das Erlebnis war (bis auf die Lernkurve) so gut, dass ich es für den Blog gerne wiederholt habe. Falls ihr euch auch schon mal überlegt habt, Elixir auszuprobieren: Tut es, es ist ziemlich cool!

Inzwischen müsste ich mich eigentlich daran gewöhnt haben, aber ich bin immer noch absolut begeistert davon, wie schnell die Kombination aus Phoenix, Turbolinks und „keinen Schrott ausliefern“ ist. Ich musste dafür 2 Zeilen JavaScript schreiben (import Turbolinks from 'turbolinks'; Turbolinks.start()), und meine Seite ist schnell wie eine Single Page App, aber ich hatte keinen Stress. (Im Ernst: Meine Begeisterung für Phoenix ist ziemlich groß, aber die für Turbolinks ist noch größer. Wenn ihr nur eine einzige Sache von diesem Blogpost mitnehmt, dann lasst es bitte Turbolinks sein. Baut Turbolinks auf eure statischen Webseiten ein, lehnt euch zurück, genießt die Geschwindigkeit und macht früher Feierabend, weil ihr nicht vier Wochen lang React Router konfigurieren müsst.)

Noch eine Besonderheit am Rande: Ich habe lange überlegt, ob ich gerne eine statisch generierte Webseite haben will (wie das, was bei Jekyll rausfällt) oder eine Datenbankgestützte (wie bei Wordpress). Beides hat Vor- und Nachteile: Statisch generierte Seiten sind einfach und überall zu hosten, es ist relativ einfach, eine sehr schnelle Seite zu erhalten, und man kann die Quelldateien für die Blogposts zusammen mit dem Seitencode im Repository lagern. Nachteile sind, dass man nicht so flexibel ist, wenn man beispielsweise eine Suche einbauen will, oder wenn man bestimmte Sortier- oder Filteroptionen anbieten will. Schlussendlich habe ich mich für einen Hybrid entschieden: Die Posts liegen tatsächlich in einem Ordner im Repository, werden bei jedem Deploy eingelesen und die Datenbank wird dann komplett ersetzt. Ich nenne es Immutable Database oder sowas. Meiner Meinung nach ist es das Beste von beiden Welten. Die Geschwindigkeit ist für mich kein Problem, weil Elixir so lächerlich schnell ist, und das Hosting ist für mich kein Problem, weil Uberspace so gut ist. Für euch könnten die Trade Offs anders sein!

Ich bin jedenfalls sehr zufrieden, wie sich dieser Blog aktuell entwickelt, und ich hoffe, ihr habt auch ein bisschen Spaß. (Ich habe keine Statistiken – es könnte sein, dass nur meine Oma hier mitliest, aber ich werde es nie erfahren.) Bis bald!

Museen und Ernten

Illustration: Ein alter Fernseher und ein VHS-Player

Ein offener Brief an Leute, die in Museen arbeiten.

Hin und wieder gehe ich in Museen. Museen sind cool, ich mag zum Beispiel das Hansemuseum in Lübeck, das Berliner Museum für Naturkunde, den Tränenpalast (in Berlin) und fand das Videospielemuseum (ebenfalls Berlin) nicht so gut.

Es gibt allerdings eine Sache, die mich in Museen oft nervt: Schlechter Medieneinsatz und zu lineare Darstellungsformen. Insbesondere Video. Oh je, Video. Ich meine, ja, okay, I get it. Ich kann mir die Brainstormings sehr gut vorstellen: „So, und hier in die Mitte [zeigt auf die Mitte des Grundrisses] stellen wir einen großen Dinosaurier … aber was machen wir dann mit den Wänden? Hmm …“

Es gibt wenig, was mich in Museen so frustriert, wie zu einem laufenden Video dazuzukommen, kurz draufzuschauen, nicht zu verstehen, worum es geht, keine Ahnung zu haben, wie lang das Video ist, und nicht zu wissen, wie lange es dauert, bis es das nächste Mal anfängt. Wenn es doch nur, im Jahre 2018, eine Möglichkeit gäbe, diese Informationen an mich zu übermitteln:

Alles, was ich will, ist eine Linie, die am unteren Bildschirmrand von links nach rechts länger wird. Dann könnte ich zu einem Bildschirm kommen, draufschauen, und sofort erkennen, wie schnell sich die Linie bewegt und wie lange es ungefähr dauern wird, bis das Video von vorne beginnt. Dann könnte man leicht erkennen, ob es sich lohnt, kurz zu warten, um das Video in seiner ganzen Länge sehen zu können.

Illustration: Links ein Bildschirm ohne Linie unten, auf dem Fragezeichen zu sehen sind. Rechts ein Bildschirm mit roter Linie unten, auf dem Ausrufezeichen zu sehen sind.

Im Berliner Naturkundemuseum gibt es ein Video über das Universum, das an die Decke projiziert wird. Darunter gibt es einen gepolsterter Bereich, wo man sich hinlegen kann. Zwischen zwei „Vorführungen“ gibt es eine kurze Pause, in der ein Timer zum nächsten Anfang runterzählt. Das ist schon fast, was ich meine! Allerdings ist das auch das einzige Beispiel dieser UX (yes I said it), an die ich mich erinnern kann. Mehr davon, bitte!

Das Problem ist vermutlich, dass dafür ein bisschen mehr mediales Know How vorhanden sein müsste, als fünf VHS-Geräte mit automatischer Zurückspulfunktion in einen Raum mit einem Dinosaurierskelett zu stellen. (Nein, wartet! VHS-Player konnten anzeigen, wie lange der Film auf der Kassette noch dauert! Checkmate, Atheists!) Bis dahin werde ich wohl einfach weiter an den leuchtenden Bildschirmen von Museen vorbeigehen müssen, um altmodische, statische Tafeln zu lesen. Tafeln funktionieren nämlich ausgezeichnet. Man kann kommen und gehen, wann man will, jeder kann sich seine Geschwindigkeit selbst aussuchen, sie sind extrem kostengünstig, verursachen quasi keine Wartungskosten und sehen auch noch gut aus. Ich meine ja nur.

Beets, aber auch Roots

Neulich (während ich meine jüngere Vergangenheit aufarbeite, müssen leider alle Blogposts mit „neulich“ anfangen) war ich innerhalb von drei Tagen zweimal bei Beets & Roots in der Großen Hamburger Straße (eigentlich witzig, dass ausgerechnet dort ein Laden existiert, in dem es keine Hamburger gibt, lmao.)

Der Laden lässt sich mit vielen Adjektiven beschreiben, „gemütlich“ oder „charmant“ gehören aber nicht unbedingt dazu – aber was soll’s, crappy-heimelige Cafés mit wackelnden Stühlen vom Sperrmüll gibt es in Berlin inzwischen genug! Ich will Hochgeschwindigkeitsgastronomie und einen Haufen Hirtenkäse in einer Tonschüssel (ich glaube, es ist Ton, aber wer weiß), und genau das kann man hier bekommen.

Beide Male war nicht so viel los, und wir bekamen unsere fertigen Bowls quasi sofort, nachdem wir bezahlt hatten. Die Mitarbeiter waren schnell und freundlich, es gibt eine große Menge an Sitzgelegenheiten, und, ich meine, im Ernst, goldgelb gefärbter Blumenkohl mit Minze und Granatapfelstücken ist einfach so unglaublich instagrammable.

Oriental Bowl von „Beets & Roots“

Aber nicht nur bei mir hat die Bowl einen innerlichen Begeisterungssturm ausgelöst:

Chat mit Cecilia zum Foto meiner Oriental Bowl. Cecilia: „ORIENTAL BOWL!“ Ich: „BEST OF THE BOWLS“ Cecilia: „WÜRDE ICH AUCH SAGEN ABER ES IST DIE EINZIGE DIE ICH DA GEGESSEN HABE ALSO IST DIE AUSSAGE ETWAS WERTLOS“ Ich: „SAME BEI MIR“

Also: Wenn ihr in Mitte oder an der Friedrichstraße (da ist auch ein Laden, und ja, das ist auch Mitte, ich weiß) abhängt und hungrig seid, dann geht doch vorbei und sagt, dass Daniel euch geschickt hat. Sobald das ein paar hundert Leute gemacht haben, kann ich da reinlaufen und „Hallo, ich bin Daniel“ sagen, werde mit Ziegenkäse überschüttet und habe mein Lebensziel endlich erreicht.

Jupiter sehen und sterben

Illustration: Ein Planet lächelt seinem Mond zu.

Neulich besuchte ich meine Familie in der süddeutschen Provinz und ging am letzten Tag meines Besuchs mit meiner Schwester spazieren. Es war schon kurz nach 23 Uhr, als wir am Rande des Dorfes ankamen und dann eine Weile auf einem unbeleuchteten Feldweg liefen. Nachdem wir die letzten Straßenlaternen hinter uns gelassen haben, bemerkte ich plötzlich, zum ersten Mal seit vermutlich Monaten, die Sterne. Konstellationen und Sternbilder fielen mir mit so einer Wucht ins Auge, dass ich es gar nicht richtig glauben konnte. In Berlin gibt es nämlich keine Sterne. Es gibt etwas namens „Nachthimmel“, und es ist so ein dunkelblau-fastschwarzes Ding, das oben rumhängt, aber wenn man mit bloßem Auge hinschaut, sieht man überhaupt nichts.

Ganz anders in dieser sternenklaren (Aha, daher kommt also das Wort!) Nacht, am Rande eines 2500 Seelendorfes im Süden unserer Republik: Man sieht hunderte und hunderte Sterne und es ist fantastisch und überwältigend.

Ich weiß, blabla, Lichtverschmutzung, dieser Blogpost bringt keine neuen Informationen und ist ein bisschen albern, und sind wir hier eigentlich in einem John Green-Buch gelandet, aber als ich auf diesem Feldweg stand und mit meiner Schwester nach oben geschaut habe, war ich absolut hin und weg. Es war wunderschön.

Wir erkannten ein paar Sternbilder, aber ich wollte die Chance nutzen, suchte im App Store nach einer Sternbilder-App und fand nach kurzer Suche Star Chart, das zum Glück unter 30 MB groß war – also genau richtig für einen schnellen Download auf einem Feldweg.

Ich startete die App, schaute mich mit dem Accelerometer ein bisschen um, konnte endlich feststellen, welche der etwa fünf Zickzack-Linien am Himmel jetzt wirklich die echte Kassiopeia war, schaute dann am iPhone vorbei nach Südwesten und entdeckte einen hellen Stern. „Oh, wow, welcher Stern ist das wohl?“, dachte ich, und schaute nach.

Es war Jupiter. Alter, was zur Hölle. Ich konnte es wirklich nicht glauben. Ich fürchte, ich kann meine innere Aufruhr über diesen Moment gar nicht in ausreichender Form in einen Blogeintrag gießen, aber ich konnte nicht fassen, dass ich hier, über die Hügel meines Heimatdorfes hinweg einen fucking Planeten aus unserem Sonnensystem sehen konnte, der so hell leuchtete (ja, reflektierte), dass ich ihn mit bloßem Auge nicht nur vom Nachthimmel, sondern auch von den anderen Sternen außenrum unterscheiden konnte. Wow.

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